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Kunstausstellung von Reto Odermatt "Mitten im Leben"
8. Sept. 2017 - 1. Okt. 2017

Ort:
Sust Stansstad
Dorfplatz
6362 Stansstad
Organisator:
Kulturkommission Stansstad
Kontakt:
Yvonne Huber
E-Mail:
yvonne.huber60@gmail.com


Vernissage: Freitag, den 8. September 2017, 18.00 - 20.00 Uhr. Literarische Leckerbissen von Sepp Joller, Stans.

An Samstagen von 14.00 - 18.00 Uhr, an Sonntagen von 11.00 - 17.00 Uhr geöffnet.

Künstlergespräch: Freitag, den 22. September, 19.30 - 20.30 (Türöffnung um 19.00 Uhr). Literarische Leckerbissen von Ida Knobel, Wolfenschiessen. Die Fragen werden von Rafael Schneuwly gestellt.



VOM KEIMLING ZUM KUNSTWERK

Der gebürtige Stanser Reto Odermatt machte von 2003 bis 2006 in Brienz die Ausbildung zum Holzbildhauer und arbeitet seit 2007 als selbständiger Künstler im Flüeli Ranft. Zu seinem Schaffen gehört auch die vergängliche Kunst der Eisskulpturen.

Im Gespräch mit Reto Odermatt fallen immer wieder die gleichen Begriffe: Das Leben, die Sprache, die Wärme des Holzes. Die Kraft des Mondes, die Mondphasen, welche den Moment bestimmen, an denen das Holz geschlagen werden sollte. Die Wirbelsäule der Natur, zu der wir Sorge tragen müssen, damit es auch uns gut geht. Die Luftblasen, diese Symbole der Leichtigkeit, aber auch der Vergänglichkeit. Der Fingerabdruck als individuelles Merkmal eines jeden Menschen. Oder – wie schon im Titel erwähnt – die Keimlinge, in denen die Informationen für das Werden enthalten sind und aus denen die Schönheit entstehen kann. Reto Odermatt betrachtet es als seine Pflicht, bei einem Holzstück dessen schönste Seite freizulegen: "Meine Werke sollen für den Betrachter eine Harmonie mit dem Geschaffenen geben." Nie verdient das Holz mehr Respekt als vor dem Fällen des Baums. Es kommt auf den Standort an – bekam der Baum viel Wasser und Licht oder musste er „beissen“? -, und vor allem gilt es, von aussen nach innen zu schauen, die Qualität zu eruieren, zu entscheiden, in welchem Moment der Holzschlag zu erfolgen hat. Einmal mehr macht Reto Odermatt den Vergleich zwischen Mensch und Natur, wenn er bemerkt, dass der Mensch sein Hirn oben im Kopf habe, das des Baums hingegen befinde sich unten im Wurzelwerk, im Boden. Bei der Bearbeitung des Holzes lässt sich Reto Odermatt von der Form, der Maserierung sowie der natürlichen Ästhetik führen. Die meist abstrakten Skulpturen sind dann fertig, wenn sie für den Künstler stimmen und gehören aus diesem Grund zur Serie „Entfaltung“.

Selbstredend kommt für Reto Odermatt nur einheimisches Holz in Frage: Linde, Eiche, Arve, Lärche, Edelkastanie. Jeder Baum hat sein spezielles Holz mit entsprechenden Eigenschaften. So ist darauf zu achten, dass ein Zimmer aus Arvenholz die Herzfrequenz der Bewohner beeinflussen kann.

VIELFÄLTIGES SCHAFFEN

Feinfühlig ist er, der Bildhauer Reto Odermatt, harmoniebedürftig und stets positiv denkend. Aber auch kraftvoll, energiegeladen und schalkhaft. Auch ein sanftes Provozieren ist ihm nicht fremd. Er nennt das „Stüpfen“: Z. B., wenn er von den „Luft- und anderen Blasen“ spricht, die bei ihm einen wichtigen Platz einnehmen, und dabei nicht nur an kunstvoll bearbeitete Holzstücke mit hervortretenden Rundungen denkt, sondern auch daran, dass wir Menschen es nur allzu sehr lieben, irgendwelche Projekte so stark aufzublasen, bis sie platzen. Vergnüglich sind auch die „Schitergrindä“, auf der einen Seite zu Gesichtern verarbeitete Holzscheite, die viel zu schade sind, um im Cheminée verbrannt zu werden. Diese Köpfe sind ein weiteres Beispiel dafür, dass für Reto Odermatt Holz auch nach dem Fällen und Bearbeiten weiterlebt.

In der Sust werden im Zwischengeschoss in einer Vitrine Schmuckstücke aus der „Herz-Serie“ gezeigt. Diese Exponate zeigen, dass für Reto Odermatt der Übergang zwischen Kunst und Kunsthandwerk fliessend ist. So kann der Kunde auf Wunsch seinen eigenen Fingerabdruck nach einem aufwendigen technischen Verfahren – die eingeschnitzten Rillen werden auf zusammengeleimten Lindenholzriemen behutsam mit der Spritzpistole dunkel gebeizt - auf Holz einprägen lassen und zu Hause aufhängen. Der Fingerabdruck kann auch eingefärbt werden, wobei die Farben – meistens Öl- oder Acrylfarben - im Werk von Reto Odermatt eine eher untergeordnete Rolle spielen und dezent aufgetragen werden, damit die Maserung erkennbar bleibt. Am leuchtendsten präsentieren sich die „Keimlinge“, fantasievoll geformte runde Geschöpfe, die sich auf dem Weg zu einem grösseren Wesen zielstrebig in die Höhe strecken. Zu den abstrakten Werken gehört auch die „Wirbelsäule“, die, aus einem Baumstamm herauswachsend, ans Skelett eines vorsintflutlichen Sauriers erinnert und durch ihre Dimensionen und die Lage auf dem Boden das Erdgeschoss dominiert.

DIE "KEHRSITEN"

In der NOW 14 stellte Reto Odermatt zwei ausgehöhlte Baumstämme aus, die - ineineinander zusammengestellt - die Skulptur „Kehrsiten“ bilden. Er zeigt dieses Kunstwerk auch in Stansstad, denn es nimmt in seinem Schaffen einen wichtigen Platz ein. Das Holz stammt von der Kehrsitener Linde, die 200 Jahre lang hinter der Kapelle „Maria in Linden“ stand und aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste. Diese Aktion wurde auf Empfehlung von Reto Odermatt am 21. Dezember 2013 um 11.00 Uhr durchgeführt, zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende.

Mit seinem feinen Gespür für Wortschöpfungen macht sich der Künstler Gedanken zum Wort „Kehrsiten“. Seine Überlegungen beziehen sich nicht nur auf den idyllischen Ort am Vierwaldstättersee, aus dem das Holz stammt, sondern umfassen auch menschliche Verhaltensweisen. Es ist für ihn einerseits eine Mahnung mit der Natur sorgfältig umzugehen, damit nicht die andere Seite – die Kehrseite – Überhand nimmt. Andererseits gibt es immer beide Seiten, die heutige und die frühere, die gute und die schlechte, die richtige und die falsche. Es ist dem Besucher überlassen, beim Anblick der „Kehrsiten-Skulptur“ zu einer eigenen Einstufung zu kommen.

Rafael Schneuwly, Kulturkommission Stansstad

Keimling
Keimling

Dokumente
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