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Kunstausstellung Doris Windlin: "Überall zu Hause"

27. Okt. 2018 - 18. Nov. 2018

Ort:
Sust Stansstad
Am Dorfplatz Stansstad
6362 Stansstad
Organisator:
Kulturkommission Stansstad
Kontakt:
Irène Flühler
E-Mail:
irene.fluehler@kfnmail.ch


Vernissage: Samstag, 27. Oktober, 17.00 Uhr
Öffnungszeiten: samstags, 14.00 - 18.00 Uhr; sonntags, 11.00 - 17.00 Uhr; am 1. November geöffnet


Mitten im Leben

Die gebürtige Obwaldnerin Künstlerin Doris Windlin, wohnhaft in Karlsbad in der Tschechei und mit gelegentlichen Aufenthalten in Sarnen, ist eine vitale Person: temperamentvoll, offen, anpackend, herzlich, häufig mit einem breiten Lachen im Gesicht. Und so ist auch ihre Kunst: Voller Farben, mit dem Blick für das grosse Ganze und mit der Liebe zum Detail, mit einer freien Pinselführung, die an die Impressionisten erinnert, und mit einer grossen Empathie für die Menschen. Gerne hält sie sich auf belebten Plätzen auf: in Berlin, in Karlsbad, Bern, Luzern, San Francisco. Hier, inmitten von Passanten, umgeben von städtischer Architektur, blüht sie auf. Bei Wind und Wetter sitzt sie vor der Staffelei und malt Ölbilder, die sie an Ort und Stelle immer wieder überarbeitet, sodass sie immer farbiger werden. Doris Windlin möchte Szenen darstellen, nicht Geschichten erzählen. So hält sie Momente fest, die von den Menschen in ihrer Umgebung zuerst mit respektvollem Abstand, dann immer direkter und kritischer begutachtet werden. Mit der Zeit entwickeln sich zwischen der Malerin und den ständigen Bewohnern – oft sind es Obdachlose, Alkoholiker oder Bettler – spannende Gespräche über das Dargestellte. Doris Windlin erzählt mit einem Schmunzeln, dass es für diese Leute häufig von grosser Wichtigkeit ist, auf dem Bild präsent zu sein. Diese Werke sind von packender Direktheit und Vitalität. Auch wenn die Menschen sitzen oder stehend ins Gespräch vertieft sind, herrscht das Gefühl der Bewegung vor. Die Figuren, Farben, Konturen fliessen ineinander über, zwingen das Auge, sich immer wieder von Neuem zu orientieren, von einem Bildpunkt zum anderen zu wandern. Dabei verzichtet Doris Windlin darauf einzelne Stellen in der Raumkomposition bevorzugt zu behandeln. Auch das ist ein Mittel um den Betrachter aufzufordern seinen Blick in einem permanenten Rundlauf über das ganze Bild kreisen zu lassen.


Die Ruhe in der Natur

Im Dachstock der Sust zeigt Doris Windlin eine Auswahl von Landschaftsbildern, die sie an verschiedenen Orten der Welt gemalt hat: in Obwalden, auf der Klewenalp, in Irland, in der Tschechei oder in der Normandie. Auch diese Werke sind von den Impressionisten beeinflusst. Immer wieder verweist die Künstlerin auf ihr grosses Vorbild Paul Cézanne. So wie der Franzose den Montagne Saint-Victoire bei Aix-en-Provence zu einem seiner Lieblingssujets machte, hat auch Doris Windlin mit dem Stará hora (alter Weinberg) in der Tschechei ihren Lieblingsberg gefunden, den sie immer und immer wieder im Bild festhält. Und wie Paul Cézanne verzichtet sie auf die Linearperspektive. Die „Figurenbilder“, schmale, vertikal ausgerichtete Werke, die einzelne Personen oder Menschengruppen in einer nicht näher definierten Umgebung zeigen, malt sie zum Beispiel aus einer erhöhten Position, fast schon aus der Vogelperspektive.

Ein anderes Genre, das die nachdenkliche, stille Seite der Künstlerin zum Ausdruck bringt, sind die zahlreichen Selbstporträts. Obwohl es ihr keine Schwierigkeiten mache, Porträts von anderen Menschen zu malen, tut sich Doris Windlin nach eigener Aussage schwer damit, sich selbst zu porträtieren. Aber auch hier fühlt sie sich ihrem Grundsatz verpflichtet mit unbestechlichem Blick genau zu beobachten und das Gesehene – in diesem Fall sich selbst – mit grösstmöglicher Ehrlichkeit auf der Leinwand festzuhalten. Diese „Schule des Sehens“ offeriert sie ihren Schülerinnen und Schülern seit vielen Jahren in eigenen Malateliers in Obwalden und in der Tschechei.



Beizen-Atmosphäre

Wer sich mit dem Schaffen von Doris Windlin beschäftigt, begegnet immer wieder ihren Beizenbildern. Das Wort „Beiz“ ist zwar ein sehr populärer Begriff, hat aber auch einen negativen Anstrich, der an Alltag, Gewöhnlichkeit, Stammtisch, lästiges Rauchen, Kartenspiel und Alkohol erinnert. Diesen Überlegungen würde die Künstlerin wahrscheinlich nicht widersprechen, aber mit Sicherheit würde sie einige Gedanken hinzufügen: Wärme, Sympathien für die einsamen Trinker an den Tischen, vertraute Gespräche mit einem Partner oder in der Gruppe, genussvolles Konsumieren. Die Titelgebung verrät die starke persönliche Beziehung von Doris Windlin zu diesem Thema: „Heisse Diskussion“; „Gedankenverloren“; „Feierabendbier in der Schmiede“; „Ein Schnaps für die Wirtin“ oder „Warten auf bessere Zeiten“. Im Gegensatz zu den Bildern auf belebten Plätzen kann sich die Malerin den einzelnen Menschen zuwenden und sie mit individuellen Gesichtszügen ausstatten. Dabei befinden sich die Gäste nicht immer – wie es eigentlich zu erwarten wäre – im Bildzentrum, sondern werden vom Blick auf das dominierende Inventar oder die Raumausstattung an den Rand gedrängt. Auf diese Weise macht sich der Betrachter nicht nur mit einer typischen tschechischen Gaststätte vertraut, sondern wird sich auch bewusst, dass Atmosphäre nicht zuletzt von der Umgebung geschaffen wird, in der sich die Menschen aufhalten. Auffallend ist auch, dass die Farbgebung bei den Beizenbildern im Gegensatz zu den anderen Werken, die im Freien gemalt werden, eher dezent gehalten ist. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Doris Windlin in den Gasthäusern zuerst Skizzen anfertigt und diese später im Atelier in Öl malt. Im Übrigen kann sich die Künstlerin gut vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt auch Bilder in Schweizer Wirtshäusern zu malen. Und wenn Doris Windlin tatsächlich ihren bisherigen Rhythmus beibehält und alle zehn Jahre eine grosse Ausstellung organisiert, können wir uns in Stansstad möglicherweise im Jahr 2028 auf neue spannende Bilder freuen.

Rafael Schneuwly, Kulturkommission Stansstad

Ausstellung von Doris Windlin in der Sust Stansstad
Ausstellung von Doris Windlin in der Sust Stansstad