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Pfahlbauersiedlungen Kehrsiten


Die jungsteinzeitlichen Seeufersiedlungen vor Kehrsiten sind ein Kulturerbe von schweizerischer Bedeutung. Sie werden gegenwärtig im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts untersucht. Die Taucharbeiten laufen bis Ende Februar 2008. Der Schlussbericht soll 2010 vorliegen.

Pfahlbauerdorf
Die im Juni 2003 im Vierwaldstättersee vor Kehrsiten von einem Sporttaucher zufällig entdeckten neolithischen Seeufersiedlungen stellen ein Kulturerbe von landesweiter Bedeutung dar. Im Vergleich mit Siedlungen an Land weisen Seeufersiedlungen einen weit höheren Informationsgehalt auf, da im Wasser unter Luftabschluss alle organischen Funde und Baureste erhalten bleiben und somit Erkenntnisse zur Lebensweise und den ökologischen sowie ökonomischenn Bedingungen aufzeigen können. Bei den Seeufersiedlungen von Kehrsiten handelt es sich um die erste voralpine Pfahlbaufundstelle in der Schweiz. Sie stellen eine Besonderheit dar, waren Siedlungen der sogenannten "Pfahlbauer" bisher einzig in der flachen bis hügeligen Mittellandzone nachgewiesen, nicht aber an Seen der voralpinen Region mit doch verhältnismässig rasch ansteigenden Seeufer-Gebieten.

Die Fachstelle für Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich fürhte 2004 im Auftrag der Nidwaldner Regierung erste Untersuchungen durch. Auf der Strandplatte am steilen Nordfuss des Bürgenstocks stand zwischen ca. 4100 und 3100 vor Christus, zar nicht durchgehend, aber immer wieder, ein Dorf am Ufer des Vierwaldstättersees. Die bisher gefundenen Kulturschichten können in vier verschiedene Epochen datiert werden. Gefunden hat man bisher Keramik, Steinartefakte sowie Tier- und Pflanzenreste. Es liegen auch sehr gut erhaltene Schnüre und Textilien vor. Wie dies im Neolithikum üblich war, bauten die im Dorf lebenden Menschen Getreide an und besassen Haustiere. Zudem sammelten sie Wildpflanzen, gingen auf die Jagd und fingen Fische. Ihre Gefässe und Steinbeile stellten die Bewohner aus lokalen Rohstoffen her, der Feuerstein für Klingen, Bohrer etc. stammen hingegen aus dem Mittelland.

Zur Vertiefung der bisherigen Erkentnisse wurde das Projekt beantragt, das der Nationalfonds im März 2007 genehmigte. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich ausschliesslich auf jene Stellen der Siedlung, wo die steilen Schitwände stark von der Erosion bedroht sind und mit verhältnismässig geringem Aufwand reiches Material für archäologische und geomorphologische Untersuchungen gewonnen werden kann. Die Projektverantwortlichen hoffen, mit Hilfe des Fundmaterials chronologische Ausagen präzisieren zu können und eine Datenbasis zu schaffen, die weitere statistisch abgesicherte Aussagen über die Lebensumstände der Bewohnerinnen und Bewohner sowie die damalige Umweltsituation ermöglichen.

Der Bund ist bestrebt, die Schweizer Pfahlbauersiedlungen in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eintragen zu lassen. Sollte dies Realität werden, so läge ein Weltkuturerbe auf dem Boden von Nidwalden. Aber auch beim Scheitern dieses Vorhabens bleibt die Siedlung ein Objekt von gesamtschweizerischer Bedeutung.

Das Projekt Kehrsiten rechnet mit einem Kostendach von Fr. 565'000.00. Der Nationalfonds übernimmt 50 Prozent der Kosten. Die Nidwaldner Regierung hat bereits im November 2006 beschlossen, Fr. 282'500.00 zu Lasten des Denkmalpflegefonds beizusteuern und die Beiträge in die Voranschläge 2008 bis 2010 aufzunehmen.

Die archäologische Tauchequipe der Stadt Zürich hat die Unterwasserarbeiten am 14. Januar dieses Jahres aufgenommen und Ende Februar abgeschlossen. Die archäologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen sowie Auswertungen des Fundmaterials werden unter Federführung der Unterwasserarchäologie Zürich (Leitung: Archäologin Ursula Hügi) durchgeführt. Das gesamte Projekt wird durch die Fachstelle für Archäologie des Kantons Nidwalden begleitet. Der Schlussbericht soll 2010 vorliegen.
Link Kanton Nidwalden: Fachstelle für Archäologie
 
Kandidatur_fr_das_UNESCO-Welterbe.pdf (27.3 kB)


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