Gemeinde Stansstad

Schnitzturm

Adresse6362 Stansstad
Telefon041 618 24 24
Öffnungszeiten
1. Mai – 30. September von 08.00 – 17.00 Uhr, 1. Oktober – 30. April geschlossen

Schnitzturm


Beschreibung
Schnitzturm als wehrhaftes Zeichen
Der Schnitzturm, dessen Namensherkunft bis heute nicht geklärt ist, ist als Wahrzeichen von Stansstad vom See her weit herum sichtbar. Er ziert denn auch mit den im See versteckten Palisaden das Stansstader Gemeindewappen. Wann und zu welchem Zweck der Turm erbaut wurde, ist nicht abschliessend geklärt. Zweifellos war er über Jahrhunderte hinweg Teil einer ausgedehnten Seeufer-Befestigungsanlage. Diese erstreckte sich von der Harissenbucht bis hin zur Garnhänki bei der Autobahn-Ausfahrt. Die drei Pfahlreihen (Palisaden) waren auf der Höhe des Schnitzturmes von einer Durchfahrtsschneise (Grendel) unterbrochen. Da der Wasserspiegel zu jener Zeit erheblich tiefer war als heute, dürften die Palisaden rund zwei Meter aus dem Wasser geragt haben.

Bald 700 Jahre alt
Lange Zeit wurde angenommen, dass die Befestigungsanlagen auf die Gründungszeit der Eidgenossenschaft zurückgehen. Genaue Untersuchungen zeigten indes, dass die Stämme, die für die Palisaden verwendet wurden, zwischen 1311 und 1327 gefällt worden waren. Mit Sicherheit steht fest, dass der Schnitzturm bereits 1315 bestand, wird er doch in der Chronik des Aegidius Tschudi im Zusammenhang mit einem Überfall der österreichischen Luzerner auf die Unterwaldner erwähnt. Der Chronist schreibt, dass ein angreifendes Schiff durch einen vom Turm geworfenen Mühlstein versenkt werden konnte.

Grabungen, die 1989 vor dem Bau des neuen Hotels Winkelried gemacht wurden, lassen auch die Vermutung zu, dass der Schnitzturm ursprünglich als Wohnturm durch einen Adligen erbaut worden war. Allerdings kann dies durch die spärlichen Funde nicht abschliessend erhärtet werden.

Als die Feudalherren aus Nidwalden vertrieben worden waren, wurden die Befestigungsanlagen von den Unterwaldnern übernommen. Entsprechend der zu schützenden Gebiete hatte Obwalden zwei Drittel, Nidwalden einen Drittel der Unterhaltskosten zu übernehmen. Nachdem jedoch 1332 Luzern der Eidgenossenschaft beitrat, entstand ein neuer Vorposten gegen die Österreicher. In der Folge überliess man die Palisaden weit gehend dem Verfall. Diese ragen heute nur noch wenig aus dem Seeboden und dürften im Verlauf der Zeit völlig verschwunden sein.

Halbherzige Obwaldner
Ein etwas besseres Schicksal erlebte der Schnitzturm, auch wenn die Obwaldner oft nur halbherzig ihren Kostenbeitrag leisteten. Als eine Extra-Landsgemeinde 1587 die Instandstellung und Aufstockung des Turms beschloss, bedurfte es wiederholter Mahnungen, bis die Obwaldner Regierung schliesslich ihre Zustimmung gab. Insbesondere die Aufstockung wurde von dieser als unnötig taxiert. Allerdings konnten sich die Nidwaldner offenbar durchsetzen, erwähnt doch der Luzerner Chronist Johannes Schnyder 1589: «Die zu Stans erhöchtend den Thurn zu Stansstad, machtend dry hüpsch Säl drin.» Der Turm wurde mit einem Schindeldach versehen, das 1634 durch einen Blitzschlag zerstört und nur notdürftig repariert wurde. Wegen des desolaten Daches litten offenbar auch die erwähnten «hüpsch Säl», so dass sie bald für das Trocknen von Fischernetzen Verwendung fanden. 1736 wurden - diesmal auf Bestreben der Obwaldner - umfassende Unterhaltsarbeiten vorgenommen.
Seinen letzten kriegerischen Einsatz erlebte das Befestigungswerk beim Franzosenüberfall von 1798. Kurzfristig befestigten die Nidwaldner schwimmende Tannenstämme an den Palisaden. Und gemeinsam mit dem Schnitzturm hielt die Sperre dem Ansturm der Franzosen vom See her stand. Am 9. September 1798 erfolgte jedoch deren Durchbruch am Allweg, und die Stansstader Verteidiger mussten sich ergeben. Aus Rache brannten die Franzosen alle Stansstader Häuser inklusiv Schnitzturm nieder. Seither steht das Stansstader Wahrzeichen ohne Dach in seiner heutigen Form da und verschiedene Anläufe für eine vollständige Instandstellung scheiterten. Zwar liess die Nidwaldner Baudirektion den Turm 1880 mit einer Treppe und einer Aussichtsplattform versehen. Um die Jahrhundertwende stürzte jedoch die Konstruktion ein und wurde nicht mehr ersetzt. Das letzte Projekt geht auf das Jahr 1990 zurück. Damals wollte die Kulturkommission Nidwalden den Turm im Innern erschliessen und als Aussichtsturm zugänglich machen. Nach dem «Nein» des Obwaldner Kantonsrates konnte jedoch das Projekt zu den Akten gelegt werden.

Im Gedenkjahr 1998, 200 Jahre Franzosenüberfall in Nidwalden, hat der Kantonsrat Obwalden beschlossen, den 2/3 Anteil von Obwalden in einer Schenkungsurkunde dem Kanton Nidwalden abzutreten. Es wurde eine Treppe mit Aussichtsplattform erstellt. Die Kosten wurden mehrheitlich vom Kanton Obwalden übernommen. Seither ist der Schnitzturm wieder begehbar, mit einem herrlichen Blick auf den See und die Gemeinde.

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Gedruckt am 24.11.2017 02:38:14